24. Earth, Wind and… Water

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Earth


Eigentlich wollten wir Zipolite von Puerto Escondido aus im Zuge eines Tagesausfluges besuchen. Die 75 km Entfernung wären hierfür definitiv nicht zu weit gewesen.

Da aber unsere hübsche, gemütliche Cabaña leider schon reserviert war und wir unseren Aufenthalt dort nicht verlängern konnten, zogen wir weiter und beschlossen, in Zipolite zu übernachten.

Heiß war es. Vor allem unter der Schutzkleidung.

Da waren wir froh, nicht ganz so weit fahren zu müssen.

Über Zipolite hatten wir uns schon ein paar Infos aus dem „Lonely Planet“ eingeholt: Eigentlich nur ein Dorf. Knapp 1000 Einwohner.

"Reges Treiben im Zentrum von Zipolite"


Doch etwas Besonderes zeichnet diesen Ort aus: Hier tummeln sich viele Hippies und es gibt einen (für Mexiko seeehr ungewöhnlich) FKK-Strand.

Im Dorf angekommen machten wir uns auf die Suche nach einem Hotel.

Die Auswahl ist trotz der geringen Größe des Ortes nicht schlecht und schnell war ein bezahlbares Zimmer gefunden.

Kennt Ihr das auch, dass sich Erinnerungen oft als Farben im Kopf einprägen?

Erinnert Ihr Euch an La Paz, bei dem ich immer an „Grün“ denken muss?

Zipolite ist bei mir „Gelb“, so wie das Hotel gestrichen war.

Wenn Conny hier schreiben würde, würde sie sich vermutlich nicht an Farben sondern an Temperaturen erinnern: Draußen heizt die Sonne unbarmherzig die Luft und die Gemäuer der Häuser auf, drinnen freust Du Dich auf eine Dusche und die ist - bitterkalt!

Wir haben uns gefragt, wie das möglich ist!?!

Unsere Moppeds mussten draußen vor dem Eingang zum Hotel parken, da der Durchgang zum Innenhof sehr eng und nur über ein paar Stufen zu erreichen war und durch die Rezeption führte.

Gleich nebenan befand sich ein kleiner Laden, der nebst Lebensmitteln und Haushaltsartikeln auch Bier verkaufte.

„Ballenas“, was übersetzt eigentlich „Wale“ bedeutet, nennen die Einheimischen die übergroßen (1,2 L Inhalt) Flaschen, die durch ihre Form tatsächlich ein wenig an die riesigen Meeressäuger erinnern.

Ein paar Jungs hatten es sich vor dem Lädchen an einem Tisch gemütlich gemacht und hatten, als wir ankamen, offensichtlich schon das eine oder andere dieser „Fläschchen“ hinter sich.

„Ey, willkommen in Zipolite“ lallte uns einer entgegen, „falls Ihr Hilfe braucht, Ihr findet mich eigentlich immer hier. Ich bin zertifizierter Tourguide und wenn Ihr wollt zeige ich Euch die Gegend.“

Was für ein Empfang!

Und hier sollen wir unsere Motos parken!?!

„Wir werden sehen.“ wimmelten wir ihn ab. Er strahlte uns mit einer zuprostenden Geste entgegen und war wahrscheinlich froh, dass er sitzen bleiben konnte.

Unser Zimmer lag im zweiten Stockwerk.

Da die Moppeds an der Strasse parken mussten, hieß es für uns, das gesamte Gepäck runter von den Moppeds und mit rauf ins Zimmer zu nehmen.

Drei doch recht schwere Koffer pro Person und jeder hatte noch eine Gepäckrolle. In Conny‘s waren die Schlafsäcke, Luftmatratzen, Campinggeschirr, etc. und in meiner das Zelt und noch ein paar andere Gegenstände.

Ich schätze, jeder hatte insgesamt so etwa 50 kg Gewicht hinten drauf (jetzt mal ehrlich: viele nehmen diese Menge an Gepäck für ein verlängertes Wochenende am Gardasee mit, oder?).

Nach besagter eiskalter Dusche machten wir uns auf den Weg um das Dorf und dessen Umgebung auszuspähen (ohne betrunkenen Guide).

Der Strand ist phänomenal!


Im Dorf selbst, na ja, hier ist nicht allzu viel zu erleben.„Beschaulich“ würde es in etwa treffend beschreiben.

Und heiß.

Wir fanden ein Restaurant mit Bar, von wo aus man den wunderschönen Blick auf die Bucht und den Strand genießen konnte.

Und einen Margarita, versteht sich.

Am gegenüberliegenden Ende der Bucht, so hieß es, sei eine Pizzeria direkt am Strand.

Yeah, Pizza!!!


Genauso wie Schokolade hat italienisches Essen eine magische Anziehungskraft auf Conny. Und, wie es hieß sei die Location erstklassig.

Na was hält uns auf?

Um dort hin zu kommen musste man die Strasse aus dem Dorf raus nehmen, es geht ein Stückchen weit auf die umliegenden Hügel und von dort aus wieder auf einem steilen Sträßchen an einen Strandabschnitt, der durch einen vorgelagerten Felsen vom „Hauptstrand“ getrennt war.

Also brauchten wir „Transportación“, ein Taxi also.

Bus fahren in Mexi… nee, das hatten wir doch schon.

Taxi fahren war jedoch Neuland für uns hier in Mexiko. Man stellt sich an die Strasse und wartet. In unserem Fall kam ein PickUp mit einem käfigartigen Aufbau, bespannt mit einer blauen LKW-Plane (na, was denkt Ihr denn schon wieder?) und Holzsitzbänken vorbei.

Wir fragten den Fahrer, ob er denn auch dort hin fahren würde, wo wir hin wollten und er bejahte dies. Also sprangen wir auf. Ein kleiner Knopf, eine Art Lichtschalter ist neben der Sitzbank befestigt. Dieser dient dazu, dem Fahrer zu signalisieren, dass man aussteigen möchte.  Taxi fahren in Mexiko ist wie Bus fahren in Deutschland...

Gut festhalten!


Das Restaurant hielt, was uns versprochen wurde. Einige Tische zwischen den Felsen direkt im Sand, es war kurz vor der Abenddämmerung, Ölfackeln wurden angezündet, wir sassen romantisch mittendrin und freuten uns auf das Essen.

Fast alle Tische waren belegt, mit großem Abstand zueinander, so dass jeder seine Privatsphäre genießen konnte.

Covid gab‘s noch nicht.

Streunende Hunde waren wir ja schon gewohnt, da machte ich mir nicht viel draus als der Tisch und mein Stuhl anfing zu wackeln. War wahrscheinlich einer dieser Hunde, der sich anlehnte um sich leichter irgendwo zu kratzen zu können.

Conny schaute verdutzt um sich, denn ihr Stuhl wackelte auch.

Kein Hund weit und breit!

Die anderen Gäste hatten denselben suchenden, fragenden Blick.

Wir schauten uns alle gegenseitig an und nickten zustimmend als einer sagte:

„Terremoto“- „Erdbeben“

Wir hatten soeben ein kleines Erdbeben erlebt.

Verrücktes Gefühl wenn man so am Strand sitzt und die Erde wackelt.

Zum Glück hatten wir noch keinen Rotwein auf dem Tisch stehen!

Unser Bargeld wurde knapp, für den Restaurantbesuch reichte es gerade noch, also hieß es: einen Bankautomaten suchen.

„¿Un cajero automatico? ¡No hay aquí!“ Also Zipolite hat nicht mal einen Bankomaten.

Hmm, wir wollten aber noch bleiben und irgendwie mussten wir ja auch unser Hotel bezahlen.

Also fragten wir nach, wo der nächste Automat zu finden wäre. Ungefähr 15 km in‘s Landesinnere, hieß es.

Boah, echt jetzt? Nee, da fahren wir nicht mit den Moppeds hin.

„¿Los taxis van allí?“ „Fahren die Taxis dorthin?“ fragten wir.

„Si, claro que si“ wurde uns versichert.

Also standen wir am nächsten Morgen an der Hauptstraße und warteten auf eins dieser schon beschriebenen PickUp-Taxis.

Das würde eine Fahrt werden!

Doch wie sich herausstellte gibt es noch andere Taxen, einfache PKW, rot mit weißem Seitenstreifen und der Aufschrift, die das Fahrzeug als Taxi erkennen lässt.

Damit sollte es in die Stadt gehen um Bargeld zu besorgen


Taxi fahren ist anders in Mexiko.

Anders als wir das in Deutschland kennen, fahren diese Taxis ständig ihre Strecke ab, (ähnlich wie Linienbusse in Deutschland) und in aller Regel sind das sogenannte „Colectivos“.

Das bedeutet, das Taxi fährt nicht für uns individuell, sondern nimmt so viele Leute mit wie eben reinpassen.

Fünf, inklusive Fahrer wären das in unserem Fall gewesen.

Auf dem Rücksitz des Wagens der für uns anhielt sass eine Person und der Beifahrersitz war besetzt. Wir hatten noch genügend Platz hinten.

Somit war der Wagen voll.

Dachten wir.

Nach nur kurzer Fahrt stand eine doch etwas übergewichtige Frau am Straßenrand und winkte das Taxi heran.

„Sorry, aber wir sind schon voll.“ ging mir der Gedanke durch den Kopf.

Doch der Fahrer fuhr rechts ran.

Ähem? Wo bitteschön soll die Dame denn sitzen? dachten wir uns.

Wie selbstverständlich öffnete sie die Beifahrertür, der schmächtige, ältere Herr der dort schon sass, rutschte zur Seite so weit es ging und die Dame setzte sich zu ihm.

Alles ganz normal, wie es schien.

Die Stadt, in die wir fuhren, San Pedro Pochutla, ist weiters nicht erwähnenswert. Wir fanden einen Geldautomaten und schlenderten ein wenig auf und ab.

Ein Taxifahrer kam auf uns zu und fragte direkt ob wir nach Zipolite wollten. Wir bejahten und fragten von wo aus und wann er losfahren würde. Er zeigte auf sein Fahrzeug und meinte nur: Sobald ich genügend Leute beisammen habe.

Also blieben wir in der Nähe und beobachteten das Treiben auf der Strasse.

Ein Obststand fiel uns ins Auge.

Mit frischen Mangos.

Leute, wer schon mal wirklich frische Mangos bekommen hat, der weiß was wir eine Minute später genießen durften.

Für ‘n Appel und ‘n Ei.

Zwar waren noch keine weiteren Fahrgäste da, dennoch machten wir es uns schon mal im Taxi so bequem wie es möglich war - zu zweit auf dem Beifahrersitz, wie selbstverständlich.

Mit frischen Vitaminen gestärkt, die Taschen wieder voller Pesos, kamen wir heil wieder in Zipolite an.

Am Abend hatten wir etwas Besonderes zu tun: Die Weiterreise planen.

???Was ist denn daran jetzt so besonders??? werdet Ihr Euch jetzt vermutlich denken.

Seit Monaten fuhren wir nun schon am Pazifik entlang. Nun war es an der Zeit, diesem den Rücken zu kehren mit einem anderen Meer als nächstes Ziel:

Die Karibik!

Genauer gesagt, der Golf von Mexiko.

Um diesen auf dem kürzesten Weg zu erreichen fährt man über den sogenannten „Isthmus“. Was sich etwas anhört wie ein verstauchter Knöchel ist in Wirklichkeit die engste Stelle Mexikos zwischen den beiden Meeren.

Doch nicht so schnell! Immerhin wären das von Zipolite aus 700-800 km.

Also mussten wir Etappen planen.

Nach drei Nächten „Gelb“ packten wir unsere Moppeds wieder und verabschiedeten uns vom Hippiedorf mit dem FKK-Strand.

Der 6. Februar war, wie die Tage zuvor auch, - heiss!

Wir lieben die Hitze.

Trotzdem waren wir nach viereinhalb Stunden und 250 gefahrenen Kilometern froh, in Juchitán de Zaragoza ein Hotelzimmer beziehen zu können.

Das relativ zentral gelegene ‚HOTEL LA MANSIÓN EN EL ISTMO‘ bietet einen großen, gesicherten Parkplatz, die Zimmer waren erstaunlich sauber und modern. Trotzdem war die Übernachtung recht günstig.

Einmal wollten wir hier nur übernachten, dies war nur ein kleiner Zwischenstopp bevor es auf der Carretera 185, ein Teil der Panamericana, in Richtung Norden weiter gehen sollte. Schon gegen 14.30 Uhr checkten wir ein, genug Zeit also um sich die mit 75.000 Einwohnern viertgrösste Stadt des Bundesstaates Oaxaca näher anzuschauen.

Zu Fuß machten wir uns auf ins Zentrum, vorbei an den verschiedensten Geschäften, Restaurants und Cafés.

Nach kurzer Zeit erreichten wir einen riesigen Markt. Tonnen von Obst und Gemüse türmten die Händler hier auf unzähligen Ständen auf.

Eigentlich auch wieder einmal nichts allzu Außergewöhnliches.

Nur, dass die meisten Händler ihre Waren mit entweder Pferde,- Esel- oder sogar Ochsenkarren anlieferten.

Auf der einen Seite erschien die Stadt recht modern und dann dieses Bild. Wir fragten uns außerdem, wer diese Unmengen an Tomaten und Co. denn kaufen, bzw. essen würde (ok, mit den Tomaten hätte Conny ein paar Tage überleben können, sind die doch eines ihrer bevorzugten Suchtmittel…).

Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir über einen Platz, den ich als Zócalo (Ihr erinnert Euch?) bezeichnen würde. Nicht so ein aufgehübschter wie wir es gewohnt waren, eher geschäftig und etwas hektisch.

Mit ein paar kleinen Taco Ständchen.

Diese boten zu unserer Überraschung auch „Hamburguesas“ also „Hamburger“ an. Nachdem wir aber gesehen hatten was damit gemeint war entschieden wir uns dann doch lieber für die Tacos.

Es begann dunkel zu werden, wir machten uns auf den Rückweg zum Hotel.

Ich möchte nicht behaupten wir wären besonders aufgeregt gewesen, aber der nächste Tag versprach spannend zu werden.


Wind


Die Fahrt über den Isthmus ist nicht ganz ungefährlich.

Nicht etwa wegen der Kriminalität, aber dazu später mehr, jetzt erst mal schön schlafen.

Gut ausgeruht packten wir die Moppeds und machten uns erneut auf den Weg. Die nächste Übernachtung hatten wir schon irgendwo im Bundesstaat Veracruz eingeplant (ich glaube der Ort heisst Coatzacoalcos).

Nun aber hieß es erst einmal sich den Gefahren des Isthmus entgegen zu stellen.

Oder besser gesagt: entgegen zu lehnen.

Diese Strecke ist berüchtigt für ihre starken, böigen Winde, die durchaus auch mal ganze LKWs einfach von der Strasse pusten.

Das würde spannend werden.

Und es wurde spannend.

Zum Glück nicht gar so schlimm wie befürchtet, aber wir mussten uns schon sehr stark gegen den von der Seite auf uns treffenden, sehr böigen Wind lehnen.

Hätte der Wind einmal plötzlich ganz aufgehört, wir wären einfach umgefallen.

Obwohl wir nicht schnell fuhren, kamen wir dennoch einem Laster, der vor uns fuhr, immer näher.

Ich fuhr voraus, Conny immer dicht hinter mir.

Windschatten! Dieser Gedanke kam mir, als ich den LKW, mit der Kekswerbung drauf, sah.

Ja, solche Bilder bleiben im Kopf!

Ich beschleunigte.

Conny blieb etwas zurück. Sie musste wohl gedacht haben ich wollte mit dem LKW ein Rennen fahren.

Als ich etwa 10 Meter von diesem entfernt war geschah es - nahezu Windstille.

Ich war im Windschatten des LKW.

Mit einer auffordernden Geste winkte ich Conny zu, sie solle näher kommen.

Sichtlich erleichtert blieb sie, näher als wir das im Normalfall machen würden, für viele Kilometer hinter dem „Kekslaster“.

Der Wind ließ irgendwann nach, die Hitze nahm wieder das Zepter in die Hand.

Auf der gut ausgebauten Strasse kamen wir zügig voran.

Sollten wir den geplanten Stopp in dem unaussprechbaren Ort denn überhaupt machen?

Wir würden es auf uns zukommen lassen.

Weit vor uns sahen wir ein uns nur zu bekanntes Schild:

„DESVIO“ -  „Umleitung“

Ach, das muss doch nun wirklich nicht sein, wir haben den Wind gemeistert, sind gut vorangekommen und nun - müssten wir mal wieder durch die Einöde fahren?

Offenbar wurde hier gerade eine neue Strasse gebaut und der Verkehr wurde auf eine andere, ebenso nicht schlechte, umgeleitet.

Ok, gute Strasse, aber wie weit würde der Umweg sein!?!

Da kam uns doch die Polizeikontrolle ausnahmsweise mal sehr gelegen.

Aber Moment mal! Was, wenn die wieder korrupt wären, wie die in Acapulco?

Ach bestimmt würden die uns nicht mal anhalten, so waren wir es ja eigentlich gewohnt.

Doch! Diesmal wurden wir gestoppt.

Pass und Führerschein wurde verlangt.

Der Beamte machte einen sehr seriösen Eindruck. Er studierte unsere Papiere sehr genau.

„Das sind Kopien! Habt Ihr auch die Originale bei Euch?“

Uups, das war ja mal was Neues.

Bisher hatte noch keiner bemerkt, dass wir nur Kopien zeigten.

„Hay muchos ladrones en las calles, así que no mostramos los originales. Pero, por supuesto, también tenemos los originales“ war meine Antwort: „Es gibt viele Diebe auf den Straßen, daher zeigen wir die Originale nicht. Aber natürlich haben wir auch die Originale dabei.“

Er grinste nur und meinte, ich hätte Recht und wollte uns weiter fahren lassen. Ich fragte ihn noch wie groß der Umweg durch die Umleitung denn wäre und er meinte es wäre nicht all zu weit.

Also ging es weiter.

So muss Polizeikontrolle sein, nicht so wie in Acapulco!

Noch ausreichend Sprit in den 30 Liter fassenden Tanks und fit genug für ein paar Extra-Kilometerchen entschieden wir uns gegen den Zwischenstopp in Coatzacoalcos. Heute sollte es mal wieder eine „Mammuttour“, wie wir Tagestouren nannten die weiter als unsere durchschnittlichen 300 km gingen, werden.


Water


Und zwar sollte es ins regenreichste Bundesland Mexikos gehen: Tabasco.

Regenreich, dass ich nicht lache!

Wir waren jetzt bereits seit gut vier Monaten in Mexiko unterwegs und mit Ausnahme der paar außergewöhnlichen Tropfen in Todos Santos hatten wir nur brütenden Sonnenschein.

Was bedeutet denn da bitteschön „regenreichster Bundesstaat“?

Bevor wir Deutschland verlassen hatten, haben wir uns, wie schon erwähnt, bestens vorbereitet.

Beim Kauf der Schutzkleidung war mir besonders wichtig, dass diese einem Regenguss standhält. Der freundliche Verkäufer eines sehr bekannten Motorradzubehörhandels versicherte mir dies.

Ihr ahnt schon, dass kam, was kommen musste:

Kaum hatten wir die Grenze zwischen Veracruz und Tabasco überquert begann es zu nieseln. Dann, kurze Zeit später wurde aus dem Niesel- ein gleichmäßiger Dauerregen.

Die Landschaft um uns herum ließ darauf schließen, dass dies hier durchaus öfter der Fall sein musste. Auf den Weiden standen die Ochsen bis zu den Bäuchen im Schlamm.

Wir stoppten. Conny zog sich ihren Regenkombi an, ich brauchte ja keinen, deshalb hatte ich auch keinen mitgenommen.

Hätte ich doch besser auf meine Frau gehört, als sie zu mir sagte: „Auch wenn Deine Motorradjacke und -hose aus GoreTex sind, wenn es richtig regnet…“.

Also, ich war nach kurzer Zeit nass bis auf die Knochen.

Es begann zu dämmern.

Wir hatten uns verfahren.

Nicht allzu weit, aber dennoch.

Mittlerweile schüttete es wie aus Eimern, Sicht gleich null.

Pitschpatschnass und erschöpft erreichten wir dann aber doch noch vor Einbruch der Dunkelheit den Ort, den wir für die Nacht ansteuern wollten: Cárdenas.

Die 100.000 Einwohner zählende Stadt erreicht zu haben war eines. Ein Hotel zu suchen bedeutete dann, trotzdem auf den Kisten sitzen zu bleiben und uns durch den verrückten Stadtverkehr kämpfen zu müssen.

Ein Hotel , das Conny im Vorfeld schon recherchiert hatte.

Endlich standen wir davor.

Triefend nass ging ich zur Rezeption, Conny blieb bei den Moppeds.

Wir hatten uns angewöhnt, die Zimmer anzusehen, bevor wir diese buchten bzw. bezahlten. Diesmal lag das Zimmer im zweiten Stock.

Die nette junge Dame von der Rezeption ging voraus, ich triefte ihr mit schlechtem Gewissen hinterher.

Sie zeigte mir das Zimmer, das sie uns geben wollte. Ich traute mich kaum ihr zu sagen, dass ich gerne noch ein anderes sehen würde, schließlich wurde mir schon von einer Putzfrau hinterher gewischt.

Doch der jungen Dame schien dies nichts auszumachen und sie zeigte mir gerne das andere Zimmer.

Besser! Nehmen wir.

Neue Spur in Richtung Ausgang, wo Conny noch immer im Regen stand und trotz Regenkombi auch schon nicht mehr trocken war.

„Wir können unsere Moppeds im Hinterhof parken“ sagte ich zu ihr und sass nicht mal mehr auf, sondern schob meine Dolores durch das Tor.

Wieder zurück an der Rezeption wollten wir in Erfahrung bringen (mittlerweile zogen wir eine doppelte Wasserspur durchs Hotel), wie lange sich diese Wetterlage denn halten würde.

„Ein paar Tage vielleicht“ sagte sie mit einem Achselzucken.

Na das lässt ja hoffen.

Eigentlich wollten wir morgen gleich weiter fahren!

Na ja, erst mal in‘s Zimmer und raus aus den Klamotten, eine heiße Dusche und dann was zwischen die Zähne.

Die Klimaanlage wäre zwar von der Temperatur her nicht vonnöten gewesen, aber die Klamotten würden sicher schneller trocknen wenn wir sie einschalten.

Quer durch‘s Zimmer spannten wir unsere Wäscheleinen und hängten alles dran auf.


Nachdem wir es ausgewrungen hatten, versteht sich.

Frisch geduscht, in einem Satz trockener Kleidung machten wir uns auf den Weg um was zu Essen zu bekommen.

Was Schnelles, wir waren müde.

Ich habe dies bestimmt schon des öfteren erwähnt: Was bei keinem mexikanischen Essen fehlt ist - scharfe Sauce!

Doch wer nun denkt wir wären ja nun im Herkunftsland der vermutlich bekanntesten aller „Hot Sauces“, Tabasco, der irrt: Tabasco wird in den USA hergestellt und der mexikanische Bundesstaat verleiht dieser Sauce nur ihren Namen.

Hat mit Mexiko nur bedingt was zu tun


Zum Glück für mich, denn von allen die ich bisher probieren durfte rangiert Tabasco für mich auf dem letzten Platz. Geschmackssache eben.

Die Strassen waren schon etwas überflutet, es sah nicht so aus als würde es bald aufhören zu regnen, als wir wieder im Hotel ankamen, satt und - müde.

Der Verkehr würde bestimmt weniger werden über Nacht, da waren wir zuversichtlich. Denn direkt unter unserem Zimmerfenster befand sich offenbar ein Knotenpunkt von den hierzulande üblichen Minibussen.

Um bezahlende Passagiere für sich zu gewinnen hupen die Fahrer, während sie vor unserem Hotel parken, fast ständig und, als wäre das noch nicht genug haben sie stets einen, meist jungen Kerl an Bord, der lauthals Werbung für seinen Boss macht.

Das würde nachts bestimmt nachlassen.

Tat es dann auch.

Wir schliefen ein unter unseren Wäscheleinen.

Nur um kurz darauf, so gegen Mitternacht wieder aufgeweckt zu werden.

Musik.

Nicht irgendwelche Musik.

KARAOKE!

Übelster Art, und so laut, dass die Wände vibrierten.

Auf Anfrage bei der Rezeption bekamen wir die (fast schon erstaunte) Antwort, nebenan sei eine Disco.

Also vom Regen in die Traufe gekommen.

Wenn die Klamotten morgen trocken sind fahren wir eh weiter, dachten wir, also Augen zu und durch.

Hahaha, so weit entfernt von trocken wie am nächsten Morgen waren die Klamotten außer gestern noch nie.

Wir verlängerten unseren Aufenthalt gleich nach dem Aufstehen.

Es regnete. Immer noch.

In unser Zimmer führte ein Antennenkabel direkt durch die Außenwand. Das Loch abzudichten, diesen Aufwand hatte wohl keiner für nötig gehalten. An eben diesem Kabel entlang suchte sich das Wasser seinen Weg in unser Zimmer, was natürlich für das Trocknen der Kleidung (Helm inkl.) nicht unbedingt zuträglich war.

Wir würden in sechs Wochen noch hier sein wenn wir uns nichts einfallen lassen würden.

Bei all unseren vorbereitenden Planungen im Vorfeld dieser Reise habe ich uns irgendwie immer am Lagerfeuer vor dem Zelt sitzen sehen.

„Du willst doch nicht wirklich deinen Föhn mitnehmen?“ war da nur eine unter vielen Fragen, die ich Conny mit nach hinten gerollten Augen stellte.

An die Antwort „Doch, und weißt Du was? Ich nehme sogar meinen Epilierer mit!“ kann ich mich nur zu gut erinnern.

Der Föhn. Unsere Rettung!

Reiseadapter raus und hoffen, dass das Haartrocknungsgerät auch mit den hier üblichen 110 V funktioniert.

Jip, tut es. Halbwegs.

Wer braucht schon einen Föhn im Dschungel!?!


Zum Glück mussten wir nichts extra für den Stromverbrauch bezahlen. Stunden habe ich damit verbracht, Jacken, Hosen, Helm, Schuhe und Handschuhe zu föhnen. Was für ein abstruses Bild.


Es regnete auch am kommenden Morgen.

Wir verlängerten.

Und hofften darauf am nächsten Tag weiter fahren zu können. Weg von Busverkehr, Karaoke und Regen.

An‘s Meer.

Eine Kleinigkeit wollte aber noch erledigt sein: Ein Regenkombi musste her. Das was mir auf der Fahrt hierher passiert ist würde mir nicht noch einmal passieren.

Nun gibt es in Cárdenas keinen Shop, der sowas speziell für‘s Motorradfahren anbietet, keinen Louis oder Polo...

Aber es gibt einen Laden in dem man Arbeitskleidung kaufen kann. Und Leute die hier im Freien arbeiten müssen, brauchen bestimmt auch Regenkleidung.

Bingo!

Zwar seh‘ ich damit aus wie der Müllmann, aber hey, wenn ich nicht nass werde…

Ob wir noch mehr nass wurden oder nicht, und Bilder von mir in meinem neuen "Regenkombi",  das hebe ich mir für das nächste Mal auf.

Ich hoffe Ihr seid auch dann wieder dabei (von Eurer trockenen Wohnung aus, wenn ich mich nicht irre, hihihi)!

Von Puerto Escondido nach Zipolite , dann über Juchitán de Zaragoza nach Cárdenas(s)




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